Landesgesundheitskonferenz 2011

» Übersicht der Modellprojekte

» Hier finden Sie das Programm der Veranstaltung
als PDF-Datei

Unter dem Titel „Gesund aufwachsen – Kindergesundheit in Sachsen-Anhalt“ fand die 5. Landesgesundheitskonferenz am 2. Februar 2011 in Magdeburg statt. Als eine Schwerpunktzielgruppe des Gesundheitszieleprozesses standen dieses Mal die Kinder bis ca. 12 Jahre im Mittelpunkt der Gesundheitsdebatte. Nach Minister Bischoffs Ausführungen zur Kindergesundheit in Sachsen-Anhalt stellte Prof. Dr. Fred Zepp, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder-und Jugendmedizin, die Entwicklung der Kindergesundheit in Deutschland ab der Jahrhundertwende vor. Frau Dr. Hanna Oppermann vom Landesamt für Verbraucherschutz präsentierte die Ergebnisse der Schulanfängerstudie und des ersten Kindergesundheitsberichtes des Landes. Martina Kolbe, Geschäftsführerin der LVG stellte erfolgreiche Praxisprojekte zur Kindergesundheit vor. Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der LVG, Prof. Geiger, berief Minister Bischoff fünf neue Modellprojekte. Die rund 300 Gäste aus Politik, Gesundheitswirt-
schaft, Erziehung und Bildung nutzten in fünf Workshops die Chance, über verschiedene Aspekte der Kindergesundheit zu diskutieren.


Ausgewählte Ergebnisse der Gesundheitsberichterstattung zur Kindergesundheit u.a. in den Gesundheitszielbereichen:

Bewegung

Seit 2006 werden die Eltern auch zum Freizeitverhalten ihrer Kinder befragt. Insgesamt treiben 30,3 Prozent der untersuchten Kinder der Einschulungs-
jahrgänge 2007 bis 2010 regelmäßig Sport in einem Sportverein. Der Anteil dieser Kinder stieg von 29 Prozent 2007 auf 32,8 Prozent im Jahr 2010. Kinder aus Familien mit hohem Sozialstatus besuchten signifikant häufiger einen Sportverein (46,6 Prozent) als Mädchen und Jungen aus Familien mit niedrigem Sozialstatus (8,9 Prozent).


Ernährung

Entgegen dem öffentlichen Eindruck kann nicht von einem extrem hohen Anteil übergewichtiger Kinder im Land gesprochen werden. Insgesamt lag der Anteil im Zeitraum der Einschulungsjahrgänge 1991 bis 2010 bei etwa 11,6 Prozent. Kontinuierlich zugenommen hat allerdings der Anteil sehr übergewichtiger Vorschulkinder seit 1991 von 0,6 Prozent auf 3,3 Prozent. Kinder, die bereits mit einem höheren Geburtsgewicht (mehr als 3.700 Gramm) auf die Welt gekommen waren, die keine Geschwister hatten, die in einer Raucherwohnung lebten oder deren Eltern über eine nur geringe Bildung verfügten, waren mehr von Übergewicht betroffen. So waren einzuschulende Kinder mit niedrigem Sozialstatus fast zweimal häufiger von Übergewicht (12,6 Prozent), fast dreimal häufiger von Adipositas (7,1 Prozent) und fast fünfmal häufiger von extremer Adipositas (2,4 Prozent) betroffen als Kinder mit hohem Sozialstatus (Übergewicht: 7,1 Prozent, Adipositas: 2,6 Prozent, extreme Adipositas: 0,5 Prozent).


Impfstatus

Ein zunehmender Anteil Kinder hat einen altersgerechten Impfstatus. 87,5 Prozent der Kinder verfügten bei der Schuleingangsuntersuchung über eine vollständige Grundimmunisierung (Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae b, Hepatitis B und zweite Masern-, Mumps- und Röteln-Impfung). Der Impfstatus der Durchimpfungen im Einzelnen ist höher. Nachholbedarf gibt es bei den Auffrischimpfungen ab 5 bis 6 Jahren und zwischen 9 und 17 Jahren. So verfügen nur 32,6 Prozent der Drittklässler über eine Auffrischimpfung gegen Keuchhusten, bei den Sechstklässlern sind es 39,9 Prozent.


Legale Suchtmittel

Die Gesundheit von Kindern wird auch durch den Lebensstil der Eltern beeinflusst. Hier steht dem positiven Trend, dass immer weniger Kinder in der elterlichen Wohnung Tabakrauch ausgesetzt sind (1991: 58 Prozent, 2010: 16 Prozent), eine Zunahme des Anteils rauchender Mütter und vor allem rauchender Schwangerer gegenüber. Gaben 1996 noch 5,5 Prozent der Mütter, deren Kinder eingeschult wurden, an, während der Schwangerschaft geraucht zu haben, waren es 2010 bereits 17,9 Prozent. Insbesondere durch das Rauchen in der Schwangerschaft verringern sich die Chancen für ein gesundes Aufwachsen von Kindern bereits im Mutterleib. Laut Erhebung rauchten jüngere Mütter häufiger in der Wohnung als ältere Mütter. Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus lebten häufiger in Raucherwohnungen als Kinder aus Familien mit hohem Sozialstatus.


Zahngesundheit

Das auf Deutschland adaptierte WHO-Zahngesundheitsziel „Weniger als ein kariöser Zahn bei 12-jährigen bis zum Jahr 2020“ wurde in Sachsen-Anhalt mit dem Schuljahr 2008/2009 erreicht. Kinder im Alter von 1-5 Jahren hatten in Sachsen-Anhalt in den Schuljahren 2007/2008 und 2008/2009 durchschnittlich zu 78 Prozent ein naturgesundes Milchgebiss, 6-9-jährige Kinder hatten noch zu 32 Prozent ein naturgesundes Milchgebiss. Nach dem Gebisswechsel hatten 11-18-jährige Schülerinnen und Schüler zu 45 Prozent ein naturgesundes Dauergebiss. Etwa 18 Prozent der 3- bis 5-Jährigen, 15 Prozent der 6- bis 9-Jährigen und 4 Prozent der 10- bis 12-Jährigen in Kitas und Schulen hatten ein erhöhtes Kariesrisiko. Der Anteil des Kariesrisikos stieg im Alter von 5 bis 7 Jahren deutlich an und fiel dann von 25 Prozent bei 7-Jährigen auf 10 Prozent bei 8-Jährigen und verringerte sich weiterhin bis zum Alter von 10 Jahren.

Festgestellt wurde, dass die Zahngesundheit eng an die Art der besuchten Schule gekoppelt war, mit einem deutlichen Gefälle vom Gymnasium über die Sekundarschule zur Förderschule. Förder- und Sekundarschüler/-innen nahmen Angebote der zahnärztlichen Versorgung weniger häufig in Anspruch als Gymnasialschüler/-innen; Zahngesundheit in Einrichtungen öffentlicher Trägerschaft war deutlich schlechter als inEinrichtungen in freier Trägerschaft.


Freizeitverhalten

Etwa 23 Prozent der Schulanfänger nahmen an der musikalischen Früherziehung teil oder besuchten eine Musikschule und fast 17 Prozent belegten einen Sprachkurs. Kinder aus Familien mit hohem Sozialstatus besuchten signifikant häufiger eine Musikschule (38,7 Prozent) oder einen Sprachkurs (24,3 Prozent) als Mädchen und Jungen aus Familien mit niedrigem Sozialstatus
(6,2 Prozent – Musikschule, 9,1 Prozent – Sprachkurs).


Fernsehkonsum

Durchschnittlich schauten Kinder 60 Minuten pro Tag Fernsehen. In Familien mit niedrigen Sozialstatus war ein höherer Fernsehkonsum (73 Minuten täglich) gegenüber Familien mit hohem Sozialstatus (43 Minuten) erkennbar. Im regionalen Vergleich verbrachten Kinder aus den Städten Halle und Magdeburg weniger Zeit vor dem Fernseher als Kinder aus den ländlichen Regionen der Altmark.


Wohnumfeld

Die Wohnsituation an einer verkehrsreichen Straße (weniger als 10 Meter Abstand) hat sich von 1994 bis 2010 bei Familien mit mittlerem und hohem Sozialstatus verbessert und lag bei 19 Prozent. Bei Familien mit niedrigem Sozialstatus verschlechterte sich die Wohnsituation und lag bei 38 Prozent. Kinder aus Familien mit hohem Sozialstatus (Erwerbstätigkeit entscheidend) waren durch die Wohnlage geringer durch Kfz-Abgase betroffen.


Sprachstörungen

Bei fast einem Drittel der untersuchten Kinder zeigten sich Defizite der Sprache, die eine logopädische bzw. sprachtherapeutische Therapie erkennen lassen. Jungen zeigten häufiger Sprachstörungen (36,3 Prozent) als Mädchen (26,2 Prozent). Defizite waren bei Kindern mit niedrigem Sozialstatus deutlich häufiger als bei Kindern mit hohem Sozialstatus. Die Betreuungsart des Kindes zum Zeitpunkt der Schuleingangsuntersuchung zeigt, dass Sprachstörungen bei Kindern, die eine Kindertageseinrichtung besuchten, deutlich seltener waren als bei Kindern, die keine Kindertageseinrichtung besucht haben.